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¿Rimas? ¿De qué estamos hablando? Ya no hay rimas.
No, en serio, desde los mismos Goethe y Heine mucha poesía alemana no rima. Estoy leyendo Hermann y Dorothea y muy poca rima veo yo. Me parece que la rima no tiene un prestigio tan grande como entre los latinos.
Explicación clarísima del poema:
Beide haben sie mit voluminösen Romanen den Krieg, den sie anfangs begrüsst hatten, zu verarbeiten versucht. In einer allerdings unfreiwilligen Parallelaktion haben sie eine aus den Fugen geratende Welt dargestellt: Thomas Manns «Zauberberg» von 1924 fand in Robert Musil einen umso kritischer beargwöhnenden Leser, als er sich selber gerade anschickte, im «Mann ohne Eigenschaften» eine Diagnose der Kriegstreiberei von 1914 zu liefern. Aber nicht nur das Ziel, ihre Romane in die Katastrophe von 1914 münden zu lassen, teilen die beiden Jahrhundertwerke, sie greifen unter anderem auf Ironie und Mystik, auf enzyklopädisches Wissen aus Naturwissenschaft und Medizin zurück.
Zu einem persönlichen Kontakt war es bereits 1919 gekommen, danach folgten Briefe gegenseitigen Respekts, die aber immer mehr Schlagseite bekamen, wohl bekommen mussten. Denn Thomas Mann wurde zu dem, was für Musil das zweifelhafte Bild des Grossschriftstellers war, einflussreich und öffentlichkeitswirksam, 1929 durch den Nobelpreis erst recht bestätigt. Doch als die Kritiken den ersten Band von Musils Roman rühmten, folgten ihnen die Leser, und damit die Käufer, nicht nach, so dass der kompromisslose Österreicher nach und nach in immer grössere Schwierigkeiten geriet. Thomas Mann hat sich, von Musils kritischen Kommentaren in den Tagebüchern nichts ahnend, grosszügig für den anderen eingesetzt, auch in den überschatteten späten dreissiger Jahren.
Schon zum 50. Geburtstag des um fünf Jahre Älteren hatte Musil sich in die Gratulantenschar eingereicht, ehe er 1935 ein in seiner schillernden Unlesbarkeit besonders denkwürdiges Geschenk zum 60. Geburtstag gemacht hat. Der S.-Fischer-Verlag überreichte einen Geschenkkarton mit Glückwünschen, aus denen Erika Mann mehr als dreissig Jahre später den folgenden Vierzeiler Musils an die Öffentlichkeit gab:
Wenn sich die Menge verläuft
stehen die Sterne am Himmel
und ins verschlossene Haus
kommen die Gäste von oben. Es sind rätselhafte Zeilen – eine Reaktion Thomas Manns ist nicht bekannt, und auch die hauptamtlichen Leser der beiden Lager haben eher mit Schweigen geantwortet. Dabei kennzeichnet die Verse eine schwebende Leichtigkeit, die nicht mit Unerheblichkeit verwechselt werden sollte: Man kann sich wundern über dieses Experiment auf gleichsam neutralem Gebiet. Zunächst wird eine Erwartung enttäuscht, denn eine dem Anlass gemässe Huldigung ist nicht erkennbar. Vielmehr stellt das Gedicht behutsam andeutend zwei Dimensionen einander gegenüber und bringt sie vorsichtig in Bewegung. Im Unterschied zu dem unspezifisch bleibenden Kollektiv der sich verlaufenden Menge dringen die eigens angesprochenen Gäste auf überraschende Weise, fast wie Jesus unter die Jünger, in das verschlossene Haus. Oben und Unten stehen in einem nicht eindeutig aufzulösenden, lyrisch-schwebenden Kontrast. Ganz offenbar ist der kleine Vierzeiler nicht auf schnelle Entzifferbarkeit hin angelegt. Musil hat anspruchsvolle Vorstellungen von Lyrik entwickelt, ausgehend von Goethes späten Texten oder dem Werk Rilkes. So präsentiert er sich hier nicht als eifriger Gratulant, sondern er schenkt gleichsam ein Geheimnis, Lyrik als Wortkunst des Imaginären, nicht als Bedeutungsstiftung: Es ist die Andeutung eines nicht selbstverständlichen, eines der Menge entzogenen Vorgangs.
Die Gäste von oben, im Unterschied zur Menge, die sich bereits verlaufen hat: Sie kommen spät, zur Nachtzeit, und auf ungewohnten Wegen ins Haus. Dieser Anspruch, so darf man vermuten, ist als eine versteckte, prophetische Huldigung und Anerkennung zu lesen, als Andeutung einer Begegnung unter aussergewöhnlichen, jetzt noch nicht gegebenen Umständen, als Ausblick auf eine um den Abstand der Beteiligten wissende «Sternenfreundschaft». Unter dieser Überschrift hatte Nietzsche in «Jenseits von Gut und Böse» der einstigen Nähe zu Wagner einen Gedenkstein errichtet, aus vornehmer Distanz und ohne Häme. Musil, wie Thomas Mann ein Nietzsche-Kenner, scheint in diesem Zeichen eine künftige «Konstellation», eine stellare Situation zu beschwören, in der für beide Romanciers Platz sein würde am Himmel des Ruhms.
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